Gefahren verstehen

Hochwassergefahrenkarten

Die Kommunen und das Land Baden-Württemberg erstellen, überprüfen und aktualisieren Hochwassergefahrenkarten (HWGK) für alle relevanten Gewässer. Sie liefern für über 12.000 km Gewässer konkrete Informationen über die mögliche Ausdehnung und Tiefe einer Überflutung, wenn sich ein 10-jährliches, 50-jährliches, 100-jährliches und ein extremes Hochwasser ereignen.

Somit sind sie die Grundlage für Maßnahmen der Gefahrenabwehr und des Katastrophenschutzes sowie für Bürgerinnen und Bürger, die Schutzmaßnahmen planen oder optimieren. Auch für die Kommunal- und Regionalplanung spielen die Gefahrenkarten eine zentrale Rolle. Sie ermöglichen es, wichtige Retentionsräume zu schützen und neue Risiken durch zusätzliche Siedlungsflächen zu verhindern. Bereiche, die statistisch einmal in hundert Jahren überflutet werden, sind per Gesetz als „Überschwemmungsgebiete“ festgesetzt. Dort gelten gemäß Bundesrecht besondere Vorschriften für alle Nutzer dieser Flächen.

Die interaktive Hochwassergefahrenkarte im UDO (Umwelt-Daten und -Karten Online) zeigt die bekannten Gefahren durch Hochwasser im gesamten Landesgebiet. Darüber hinaus besteht mit der Hochwasserrisikomanagement-Abfrage die Möglichkeit, die Überflutungstiefen an einem Punkt für die unterschiedlichen Hochwasserszenarien und alle verfügbaren Informationen der Hochwasserrisikomanagementplanung abzurufen.

Einen kurzen Überblick zum Inhalt der Gefahrenkarten gibt die Kompaktinformation Hochwassergefahrenkarten. Der Leitfaden Hochwassergefahrenkarten in Baden-Württemberg erläutert die Inhalte der Hochwassergefahrenkarten und stellt die Anwendung in den unterschiedlichen Handlungsbereichen dar.

Anwendung für Bürgerinnen und Bürger

Hochwassergefahrenkarten sind für Bauherren, betroffene Anwohner sowie für Industrie und Gewerbe eine Grundlage

Für Eigentümerinnen und Eigentümer von Grundstücken, die nach den Gefahrenkarten in gesetzlichen Überschwemmungsgebieten liegen, können sich Restriktionen bei der Nutzung der Grundstücke bis hin zum Bauverbot ergeben. Die Rechtsgrundlage bilden die §§ 76 und 78 des Wasserhaushaltsgesetzes des Bundes und § 65 des Wassergesetzes Baden-Württemberg.

Rechtsgrundlagen

Die Erstellung der Gefahrenkarten beruht auf Artikel 6 der EU-Hochwasserrisikomanagementrichtlinie, der durch § 74 Wasserhaushaltsgesetz in deutsches Recht umgesetzt wurde.

In Baden-Württemberg erstellen die Regierungspräsidien als Flussgebietsbehörden die Hochwassergefahrenkarten und schreiben diese gemäß der Anforderungen der Hochwasserrisikomanagementrichtlinie weiter fort.

Bereiche, in denen ein Hochwasserereignis statistisch einmal in 100 Jahren (HQ100) zu erwarten ist, sind in Baden-Württemberg insbesondere nach § 65 Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 des Wassergesetzes (WG) festgesetzte Überschwemmungsgebiete. Diese Flächen werden in Hochwassergefahrenkarten als „HQ100-Flächen“ dargestellt. Ferner gehören dazu die Gebiete zwischen oberirdischen Gewässern und Dämmen oder Hochufern sowie die Gebiete, die auf der Grundlage einer Planfeststellung oder Plangenehmigung für die Hochwasserentlastung oder Hochwasserrückhaltung beansprucht werden. Die genannten Flächen sind in Baden-Württemberg unmittelbar durch das Wassergesetz ohne weitere Verfahren oder Rechtsakte festgesetzte Überschwemmungsgebiete. Auch die in der Vergangenheit per Rechtsverordnung ausgewiesenen und nicht aufgehobenen Überschwemmungsgebiete sind weiterhin gültig.

Für Überschwemmungsgebiete nach § 65 WG gelten die Rechtsfolgen der §§ 78 bis 78 c WHG (u. a. Verbot der Errichtung und Erweiterung von baulichen Anlagen).

Methodik

Weitere Informationen zur angewandten Methodik bei der Erstellung der Hochwassergefahrenkarten finden Sie im Dokument „Hochwassergefahrenkarten: Beschreibung der Vorgehensweise zur Erstellung von Hochwassergefahrenkarten in Baden-Württemberg".

Zum Herunterladen