R30: Eigenvorsorge der Bürgerinnen und Bürger

„Die Leute sind wirklich kreativ und ihre Ideen zum Objektschutz funktionieren“

Wertheim setzt auf individuellen Objektschutz

Bild Zwei der drei Interviewpartner, Achim Hörner (links) und Thomas Hemmerich (rechts), Quelle: Jürgen Gerhardt, xxdesignpartner.de

WERTHEIM, zu Teilen an Main und Tauber gelegen, rund 24.000 Einwohner: Um sich vor Hochwasser zu schützen, setzt die Stadt Wertheim auf individuelle Maßnahmen an den Gebäuden – insbesondere in der Altstadt. Thomas Hemmerich, Thomas Dworschak und Achim Hörner sind Kenner des Wertheimer Objektschutzprogrammes und berichten im Interview, worum es beim Programm geht.

Thomas Hemmerich ist Architekt bei der Stadtentwicklungsgesellschaft ‚STEG‘. Er beleuchtet die Situation Wertheims von der technischen Seite und hat bereits viele Modernisierungen, Sanierungen und Neubauten in Bezug auf den Hochwasserschutz realisiert.

Thomas Dworschak bearbeitet bei der Stadtverwaltung im Referat Bauordnung Bauanträge. Achim Hörner leitet das Referat Tiefbau. Er ist von Anfang an in das ‚Wertheimer Objektschutzprogramm‘ involviert und bearbeitet Förderanträge, die den Hochwasserschutz in Eigeninitiative – privat und gewerblich – betreffen.

Objektschutz statt Versicherung

Achim Hörner: „Die Versicherungen haben nach dem Hochwasser reihenweise Verträge gekündigt. Die Hauseigentümer hatten Probleme, ihre Gebäude zu versichern."

Bild Hochwasser 2011, überflutete historische Altstadt, Quelle: Stadt Wertheim

Die Stadt hat das Wertheimer Objektschutzprogramm nach dem Hochwasser im Jahr 2003 initiiert, zunächst über einen begrenzten Zeitraum hinweg. „Die Versicherungen hatten sich immer mehr aus dem Geschäft zurückgezogen und für einige Anwohner wurde es zu teuer, ihre Gebäude versichern zu lassen. Die Stimmen wurden lauter, dass wir als Stadt eingreifen müssen“, erinnert sich Achim Hörner. „Wir wollen die Bürgerinnen und Bürger schließlich auch in der besonders stark betroffenen Altstadt halten – und ihnen helfen.“

Seither wurden und werden Objektschutzmaßnahmen im Rahmen dieses Förderprogrammes unterstützt. Das bedeutet: Die Bürgerinnen und Bürger erhalten von der Stadt direkte Hilfe. Informationen rund um das Thema Hochwasser und zum Förderprogramm veröffentlicht die Stadt Wertheim auf ihrer Webseite.

2011 überflutete Wertheim ein weiteres Hochwasser. Es folgten Gespräche zwischen Stadt und Land, deren Ergebnis war, das Programm zu verlängern. Die Fördermodalitäten wurden geändert. Der Eigentümer übernimmt 25 Prozent der Kosten, Stadt und Land die anderen 75 Prozent. Die Kosten werden also von drei Parteien getragen, der Eigentümer entlastet.

 

Nachhaltiger Hochwasserschutz

Thomas Dworschak: „Wir wollen nicht einfach ersetzen, was kaputt geht, sondern die Situation langfristig verbessern.“

Die Herausforderung ist, den Standort Altstadt trotz des Hochwasserrisikos attraktiv zu halten. Es werden nachhaltige Lösungen gesucht. Ihr Ziel: Ein Gebäude ist entweder vor Hochwasser geschützt oder der Schaden fällt beim nächsten Hochwasser geringer aus. Über das Thema Hochwasserangepasstes Planen und Bauen informiert die Stadt auf ihrer Internetseite.

Bild Befestigungsschienen für Hochwasserschutz und eine Hochwassermarke in der Wertheimer Altstadt, Quelle: Jürgen Gerhardt, xxdesignpartner.de

Thomas Dworschak: „Es gibt Fotos von einem Hochwasser vor knapp 30 Jahren, ca. 1993/1994. Darauf treiben aufschwimmende Heizöltanks. Es wurde versucht, nach und nach die Tanks aus der Altstadt zu verbannen. Und es hat sich mit der Zeit eingespielt, dass man hier in der Altstadt Gasversorgung hat. Mittlerweile sind viele Heizungen in das Erdgeschoss, Obergeschoss oder sogar ins Dachgeschoss verlegt worden.“

 

Grundlagen für den individuellen Objektschutz schaffen

Thomas Hemmerich: „Es gibt keine Standardlösung, kein Schema F.“

Zu Beginn des Wertheimer Objektschutzprogrammes hat das Ingenieurbüro Winkler und Partner GmbH (IWP) die Gebäude vermessen. Es wurde aufgenommen, wo neuralgische Punkte liegen, welche Bausubstanz vorhanden ist und was am Gebäude selbst umsetzbar ist. „Jeder Eigentümer hat damals eine Empfehlung für seinen individuellen Objektschutz erhalten“, sagt Achim Hörner. Zusätzlich organisierte die Stadt eine Veranstaltung, bei der sie die gesammelten Ergebnisse vorstellte.

Thomas Hemmerich betont: „Da jedes Gebäude seine Eigenarten hat, muss auch jedes Gebäude individuell behandelt werden. Je nachdem, wie hoch das Gelände ist oder wie ein Gewölbekeller oder Innenbereich angelegt ist.“ Manche Keller müssten einfach geflutet werden, sonst könnte es sein, dass das gesamte Gebäude durch den Druck des Wassers einstürzt. 

Bild Anschluss für einen Feuerwehrschlauch zum Auspumpen eines Kellers, Quelle: Jürgen Gerhardt, xxdesignpartner.de
 

Außerdem können Keller, die nicht mehr benötigt werden, verfüllt werden. Im Hochwasserschutz spielen die verwendeten Materialien eine große Rolle. Sowohl bei der Sanierung als auch beim Neubau. Da die Bauherren in Wertheim das Material frei wählen können, ist es schwierig, Vorgaben für Baustoffe zu machen. „An dieser Stelle sind die Architekten und wir für die Hilfestellung gefragt: Es braucht Erdgeschosseinheiten in Stahlbeton und Materialien, die ein Hochwasser überstehen, wie zum Beispiel mineralische Putze, ohne dass sich die halben Wände auflösen“, erklärt Hemmerich.

Meistens helfen die einfachen, unspektakulären Dinge: Die Haustechnik wird ins Dachgeschoss verlegt. Das Erdgeschoss nutzt man für Garagen oder Gewerbeflächen. Wohnungen befinden sich in den oberen Geschossen. Steckdosen können so installiert werden, dass es – wenn tatsächlich ein Meter Wasser im Erdgeschoss steht – zu keinem Kurzschluss kommt. „Ganz einfache Dinge eben“, sagt Thomas Hemmerich.


Bild links Beispiel für eine Maßnahme: Das Erdgeschoss dient als Garage, Quelle: Jürgen Gerhardt, xxdesignpartner.de
Bild rechts Höher gelegte Steckdosen und U-Profil zur Montage eines mobilen Hochwasserschutzes im Innenraum, Quelle: Jürgen Gerhardt, xxdesignpartner.de

Flexibilität bei der Förderung

Achim Hörner: „In den meisten Fällen lautet unsere Antwort auf einen Förderantrag ‚Ja‘. Die Gebäudeeigentümerinnen und Gebäudeeigentümer sind wirklich kreativ und ihre Ideen funktionieren.“

Es gibt einen Förderkatalog mit diversen Maßnahmen, aus denen man die für sich passenden auswählen kann. „So oder so hören wir uns jeden persönlich an. Dann entscheiden wir, ob die geplante Maßnahme für den Hochwasserschutz sinnvoll ist oder nicht. Das heißt, ob das Projekt gefördert wird, oder eben nicht“, erklärt Achim Hörner. In den meisten Fällen seien die geplanten Maßnahmen konstruktiv und schützen im akuten Fall.
 

Die Stadt Wertheim stellt ihren Bürgerinnen und Bürger keine riesigen Hürden für die Förderung. Auch nicht, was den Nachweis der Effektivität angeht. „Wir verlangen keine Vorlage, dass der Schaden mit Maßnahme X um so und so viel Euro reduziert würde“, sagt Achim Hörner.

Die Bürgerinnen und Bürger überraschen immer wieder mit außergewöhnlichen Ideen. So gibt es einen Eigentümer, der den Fußboden im Erdgeschoss samt der Inneneinrichtung mit Hilfe einer Hebeanlage hochfahren kann.

„Aber auch die einfachen Sachen sind wirksam, so komplex muss es gar nicht sein“, betont Hörner. „Wenn im Erdgeschoss eines Hauses viele Gipskartonwände verbaut sind, kann man diese entfernen – und hat schon etwas für den Hochwasserschutz getan.“

Architekten und Handwerker sind wichtige Berater

Thomas Hemmerich: „Der Schutz vor Hochwasserrisiken ist nicht Sache der Baubehörde. Die am Bau Beteiligten sind letztendlich für das Einhalten der Vorschriften verantwortlich.“

Die ansässigen Architekten wissen erfahrungsbedingt meistens, was sie bei Bauvorhaben beachten müssen. Architekten von außerhalb kennen sich in der Regel weniger gut aus. „Sie werden durch uns auf wichtige Aspekte hingewiesen“, erzählt Thomas Hemmerich.
 

Zunächst steht bei einem Bauvorhaben eine sogenannte Grundlagenermittlung an. Hier ist der Planer in Abstimmung mit dem Statiker gefragt. Bei einem Neubau müssen sich Statiker und Bauherr abstimmen. „Die Frage ist, wie weit der Bauherr gehen will“, betont Thomas Hemmerich. „Dementsprechend kann das Gebäude schon sehr gut konstruiert werden. Hochwasserdicht wäre übertrieben, aber hochwasserfest ist auf jeden Fall möglich.“

Bei kleineren Umbauten ist kein Architekt in die Planung und Umsetzung eingebunden. „Da setzen wir auf die Erfahrung vieler Handwerker“, so Hemmerich. „Sie müssen den Bauherren sagen, dass sie zum Beispiel besser eine Massivwand im Erdgeschoss einziehen als eine Gipskartonplatte.“ Der Katalog der Förderrichtlinie hilft dabei, die geeigneten Maßnahmen zu finden.

Bild Geeignetes Material: Fensterrahmen mit Dübel und Türrahmen aus Metall, Quelle: Jürgen Gerhardt, xxdesignpartner.de

Bild Gefliester Boden ohne Dämmung, Quelle: Jürgen Gerhardt, xxdesignpartner.de

Erfahrungen aus eigenen Sanierungen sammeln

Achim Hörner: „Mit den Sanierungen durch die Stadtentwicklungsgesellschaft ‚STEG‘ können wir eine Vorbildfunktion für andere einnehmen.“

„Als das Sanierungsgebiet der Kernstadt festgelegt wurde, haben wir uns gefragt ‚Wenn nicht jetzt, wann dann?‘ – und haben die Chance genutzt“, berichtet Thomas Hemmerich. „Bei der Sanierung muss zunächst in Erfahrung gebracht werden, wie das Gebäude beschaffen ist: Eine Analyse der Außenwände – wir haben hier viel Sandstein – ist wichtig. Ist das Gebäude unterkellert, ist es eigentlich gar nicht möglich, dieses hochwasserfrei zu halten. Was setzt man also ins Erdgeschoss? Viele Gebäude haben an der Stelle eine Garage, in manchen Gebäuden liegt dort Gewerbe.“

Mittlerweile hat die Stadt viel Erfahrung gesammelt. „Wir können uns gut gegen das Hochwasser schützen, indem wir hochwasserangepasst bauen“, sagt Thomas Hemmerich. „Wir versuchen, das Schmutzwasser rauszuhalten, Schäden an Fenstern und Türen zu vermeiden oder die Technik nach oben zu verlegen. Wir achten darauf, dass die verbauten Materialien ein Hochwasser überstehen können. Dieses Wissen geben wir natürlich gerne weiter.“ 

Bild Elektronik im Obergeschoss eines Gebäudes, Quelle: Jürgen Gerhardt, xxdesignpartner.de

 

Den richtigen Ansprechpartner finden

Achim Hörner: „Ob im Tiefbauamt bei uns in der Stadtverwaltung oder bei der ‚STEG‘, es gibt immer einen Ansprechpartner.“

Die erste Anlaufstation ist in der Regel die ‚STEG‘. Dort erkundigt sich der Bauherr, ob er Förderungen oder Sanierungsgelder erhalten kann. „Da die ‚STEG‘ und das Tiefbauamt beides Anlaufstationen sind, verweisen wir aufeinander“, erläutert Achim Hörner vom Referat Tiefbau. „An beiden Stellen gibt es Fördergelder und wir stimmen je nach Vorhaben ab, in welchem Fördertopf das Projekt laufen könnte.“ 

Der Eigentümer hat meist Ideen, wie er sein Haus gegen Hochwasser schützen kann. „Gemeinsam mit einem unserer Architekten schauen wir, welche Lösung Sinn macht und lassen die Kosten für die geplanten Maßnahmen einschätzen“, erklärt Hörner. Auf Basis dieser Einschätzung prüft die Stadt, ob die Anfrage in das Förderprogramm passt.
 

Wenn das Gebäude durch die Maßnahme geschützt werden kann oder die Hochwassersituation allgemein verbessert wird, bekommt der Antragssteller einen Förderbescheid. In diesem stehen die Höhe des Zuschusses und die geplanten Umsetzungen.

Bild Beispiel für Maßnahme, Schienen für Dammbalkenbefestigung, Quelle: Jürgen Gerhardt, xxdesignpartner.de

Wenn die Baumaßnahme abgeschlossen ist, rechnet die Stadt anhand der tatsächlichen Kosten die Förderung ab. Möglich sind Maßnahmen mit bis zu 30.000 Euro pro Grundstück. „Darüber hinaus können wir leider nicht mehr unterstützen“, erklärt Achim Hörner.

Im Hintergrund stimmen die ‚STEG‘ und die Stadt sich ab. Um zu schauen, wer welche Kosten in seinen Förderantrag aufnimmt – und damit keine Maßnahme doppelt abgerechnet wird.

Information der Bürger

Achim Hörner: „Die Bevölkerung muss wissen, was bei einem Hochwasser passieren kann.“ 

Die Mitglieder der Bürgergemeinschaft Hochwasser e.V. unterstützen die Stadt: „Die Mitglieder der Bürgergemeinschaft Hochwasser Wertheim e.V. sind sehr engagiert und nehmen uns viel Arbeit ab“, lobt Thomas Dworschak. „Sie sitzen stets gut informiert mit Krisenstab, klappern eventuell betroffene Häuser ab und fragen, ob alles in Ordnung ist. Sie geben weiter, was die Bürger am Standort zu erwarten haben.“ Für jede Häuserzeile in der Altstadt gibt es eine Ansprechperson.

Außerdem gibt es eine Checkliste für Hochwasser der Stadt Wertheim. Sie enthält nicht nur Informationen zur Planung und zum Bau für Hauseigentümer. Es wird auch auf weitere Elemente der Eigenvorsorge verwiesen, zum Beispiel auf die Aufstellung eines privaten Notfallplans oder die finanzielle Absicherung.

Nach dem Hochwasser im Jahr 2003, das bis zu 6 Meter hoch stand, hat die Stadt Hochwassermarken an Häusern angebracht. „Jeder, der es wünschte, hat eine 6 Meter-Marke erhalten“, berichtet Achim Hörner. „Das ist eine Größe, an der sich die Leute im prognostizierten Ernstfall gut orientieren können.

Bild Pegelmarke und Hochwassermarken an Hausfassaden, Quelle: Jürgen Gerhardt, xxdesignpartner.de

Thomas Dworschak: „Objektschutz heißt auch, dass sich im Hochwasserfall jeder richtig verhalten muss.“

Für jedes städtische Gebäude existiert ein Leitplan. Dieser sagt, ab welchem Pegelstand welche Maßnahme ansteht.

Zudem gibt es einen Hochwasseralarm- und Einsatzplan. Dieser legt fest, ab welchem Pegelstand welche Institutionen zusammentreten und in Alarmbereitschaft sind. Im Ernstfall zu klärende Fragen sind: Wann wird der Krisenstab gebildet? Wie verhält sich der Pegelstand? Welche öffentlichen Einrichtungen sind zu schützen?

 

Diskussionen gibt es nach wie vor

Achim Hörner: „Trotz aller individuell erfolgreichen Maßnahmen wird immer mal wieder ein allgemeiner Hochwasserschutz für Wertheim gefordert.“

Die Stimmen, die einen allgemeinen Hochwasserschutz fordern, gibt es auch heute noch. „Bisher hatte aber keiner die passende Idee“, erklärt Achim Hörner. Bevor das Objektschutzprogramm ins Leben gerufen wurde, prüfte das Land die Idee, die gesamte Stadt mit einem Dammsystem vor Hochwasser zu schützen. Das sei in Wertheim mit den zwei Flüssen aber nicht einfach.

Im Auftrag des Landes wurde eine Studie erstellt, die gezeigt hat, dass der Schutz bis zu einem HQ25 (Hochwasserereignis, das statistisch einmal in 25 Jahren zu erwarten ist) möglich ist. Größere Wassermengen wären problematisch geworden. Die Maßnahme hätte das Stadtbild stark verändert. „Diesen extremen Eingriff wollten die meisten Menschen nicht. Daher entschied man sich für das Objektschutzprogramm“, erinnert sich Hörner. 


Bild links Altstadt Wertheim, Engelsbrunnen, Quelle: Jürgen Gerhardt, xxdesignpartner.de
Bild rechts Altstadt Wertheim, Quelle: Jürgen Gerhardt, xxdesignpartner.de

 

Auch die Lösung in Hitzacker (Elbe) wurde diskutiert. In Hitzacker wurden ein neues Schöpfwerk, ein neues Siel und eine Hochwasserschutzwand gebaut. Während eines Elbehochwassers treten die drei Pumpen der Anlage in Aktion und befördern das Wasser der Jeetzel in die Elbe. In Kombination mit einer 1,20 Meter hohen Wand, die im Bereich der Stadt mit mobilen Teilen auf 2,70 Meter erhöht werden kann, ist die Stadt bis zu einem HQ100 (Hochwasserereignis, das statistisch einmal in 100 Jahren zu erwarten ist) geschützt.

Achim Hörner: „Der Fall in Niedersachsen basiert auf einer ähnlichen Ausgangssituation, die Auswirkungen sind allerdings anders als bei uns. Unser Schutz ist nicht so einfach realisierbar, auch wenn die Bereitschaft grundsätzlich da ist.“ Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz.

Wohnen in der Altstadt ist beliebt – trotz Hochwasserrisiko

Thomas Hemmerich: „Die Leute ziehen wieder verstärkt in die Altstadt. Es gibt dort mehr Wohnungen als 2003 – das ist erfreulich!“

In der Altstadt zu wohnen, wird immer beliebter. Ermöglicht wird diese Entwicklung auch durch die ‚STEG‘, die Gebäude ankauft und saniert. Thomas Hemmerich: „An den Stellen, an denen eine Sanierung nicht mehr möglich ist, wird neu gebaut. Die bauliche Situation haben wir meines Erachtens relativ gut im Griff, das Thema Hochwasserschutz immer im Hinterkopf."

Bild Altstadt Wertheim, Marktplatz, Quelle: Jürgen Gerhardt, xxdesignpartner.de
 

So hat die Stadt Neubauten frei von Hochwasser halten können, indem die Erdgeschosseinheiten in Stahlbeton oder wasserundurchlässigem Beton erstellt wurden. Die Gaststätte am Spitzen Turm hat bodentiefe Glasfassaden. Vor diesen hat die Stadt einen mobilen Hochwasserschutz erstellt, der aufgebaut wird, wenn es zum Hochwasserfall kommt. Der Schutz funktioniert, trotzdem müssen Einsatzkräfte vor Ort sein: „Einen gewissen Durchfluss gibt es immer und das Wasser muss an diesen Stellen abgepumpt werden“, erklärt Hemmerich. 


Bild links Beispiel für Dammbalkenbefestigung mit Glasfassade im Ergeschoss, Quelle: Jürgen Gerhardt, xxdesignpartner.de
Bild rechts Eingelagerte Dammbalken, Quelle: Jürgen Gerhardt, xxdesignpartner.de

Den Erfolg sieht man auch in der Schadensbilanz

Beim Hochwasser 2011 lag die Schadensbilanz für voraussichtliche Schäden und Einsatzkosten bei 2,88 Millionen Euro. 2003 war die Zahl bei 5,23 Millionen Euro. Hier zeigt sich: Die von der Stadt geforderte Eigenvorsorge und Eigeninitiative von Bauherren stoßen auf große Akzeptanz und wirken präventiv. „Falls jemand nicht in der für den Hochwasserschutz sinnvollen Art baut, hat er die Schäden spätestens in 10 bis 11 Jahren, wenn das nächste Hochwasser kommt“, erklärt Achim Hörner. „Das haben die Bauherren verstanden.“

Auch die Bürgergemeinschaft Hochwasser Wertheim e.V. trägt ihren Teil dazu bei, dass der Hochwasserschutz so gut läuft. Hörner: „Der Verein ist sehr engagiert und holt die Menschen beim Thema ab. Der Verein ist eine tolle Einrichtung!“

Bild Der Spitze Turm von Wertheim und die Tauber, Quelle: Jürgen Gerhardt, xxdesignpartner.de
 

Vor einiger Zeit hat der Verein ein Informationsblatt herausgegeben. Dieses erhalten Zugezogene und Gewerbetreibende zur Aufklärung. Es enthält auch eine Liste mit Kontakten und E-Mail-Adressen, an die man sich bei Fragen wenden kann.

Bild Infoblatt des Vereins Bürgergemeinschaft Hochwasser Wertheim e.V., Quelle: Jürgen Gerhardt, xxdesignpartner.de

Erfahrungsbericht Wertheim

Interview mit Thomas Hemmerich, Thomas Dworschak und Achim Hörner

Thomas Hemmerich ist Architekt bei der Stadtentwicklungsgesellschaft ‚STEG‘, Thomas Dworschak ist im ‚Referat Bauordnung‘ mit der Bearbeitung von Bauanträgen beschäftigt und Achim Hörner ist Referatsleiter Tiefbau.

Informationen zur Stadt Wertheim

Objektschutz

Die Stadt Wertheim informiert auf ihrer Homepage zum Thema Hochwasser und Objektschutz:

Hochwasser

Checkliste für Hochwasser

Hochwasserangepasstes Planen und Bauen